FSV2000
Dienstag - März - 29.03.2022 - 08:19 Uhr
Ausflug nach Excalibur City oder 'Wer hat einen Plan'?
Ein sehr schönes und vielleicht manchmal etwas übersehenes Ausflugsziel ist der ganz nahe bei Stockerau gelegene Flugplatz Excalibur City. Nur knappe 20 Flugminuten entfernt liegt das artifizielle Örtchen mit Einkaufszentrum, Restaurants, Kinderwelt, Spielcasino und sonst ein paar Attraktionen. Alleine für einen guten und günstigen Cappucino im eleganten Hotel … lohnt sich der Ausflug. „Fortfliegen mit Aussteigen“, und das ganz nah.
Der Platz bietet auch einige Gelegenheiten, um seine Airmen-Skills zu trainieren. Graspiste, Betrieb ohne Betriebsleiter, selbst den Windsack beobachten und die Pistenrichtung bestimmen, Unicom-Funk und, weil über der Staatsgrenze – eigentlich FIR-Grenze –, auch Flugplanaufgabe. Zusätzlich spannend: Weil LKEXCA keine ICAO-Kennung ist, erkennt das Flugplanaufgabetool des Homebriefings das Kürzel nicht und man muss einen Flugplan mit ZZZZ-Zielflugplatz und Überflugspunkt als GPS-Koordinaten angeben.
Doch halt: Ist die Aufgabe eines Flugplans auch verpflichtend? Beim Umhören zu diesem Thema werden interessanterweise unterschiedliche Meinungen laut. Auch wir haben in unserer Ausbildung 2019 gelernt, dass bei Grenzüberschreitung die Aufgabe eines Flugplans stets verpflichtend ist – außer bei Flügen nach und von Deutschland, aufgrund eines Sonderabkommens.
Also habe ich bei unserem Aus-Flug im Herbst kurzerhand das Helpdesk des Austro-Control-Homebriefings angerufen, die Telefonnummer (+43 5 1703 32 11) steht ja freundlicherweise unten im Footer auf jeder Seite. (Dort kann man übrigens auch anrufen, um seinen Flugplan zu öffnen oder zu schließen.)
Die Auskunft, die ich vor ein paar Monaten bekam, war: keine Flugplanaufgabe nötig. Bei Wien Information melden und die Route durchgeben, kurz vor der Grenze (= kurz vor LKEXCA) abmelden, die Frequenz von LKEXCA 122,805 rasten und Unicom die Positionen und das Vorhaben melden. Auch keine Meldung bei Praha Information nötig und auch keine Freigabe für die CTR Znaim, die man streift. Das wäre innerhalb der ein, zwei Minuten zwischen Grenzübertritt und Landung auch kaum zu bewerkstelligen. Das hat auch alles wunderbar und beschwerdefrei so geklappt.
Vergangene Woche wollten wir wieder nach Excalibur City jetten (eigentlich piston-nen) und weil die Diskussionen zum Thema Flugplanaufgabeverpflichtung nicht verstummt waren, rief ich wieder beim AC-Helpdesk an. Diesmal gab es eine andere Auskunft: die Aufgabe eines Flugplans ist verpflichtend, auch der Zeitpunkt und der Ort des Grenzübertritts seien anzugeben.
Na gut, dann übten wir uns zusätzlich in der Erstellung eines ZZZZ-Flugplans mit Angabe des GPS-Grenzüberflugpunktes. FPL über Homebriefing gefiled und alles verlief reibungslos. Korrekter Weise schließt man den Flugplan bei Praha Information und öffnet vor dem Heimflug dort den FPL für die umgekehrte Richtung.
Danach wollte ich dem Thema aber auf den Grund gehen. Im AIP ist schließlich alles schriftlich festgehalten. Das Thema Flugplan wird dort unter ENR 1.10 behandelt. In der aktuellen Fassung, gültig bis 21.4.2022, steht im Punkt
1.2.5. Flüge über Staatsgrenzen: Ausnahmen von dieser Verpflichtung bestehen für die unter 1.2.5.1. und 1.2.5.2. genannten Flüge unter Beachtung der angegebenen Bedingungen.
…
1.2.5.1.1. Einflüge mit zivilen Luftfahrzeugen nach Sichtflugregeln im Luftraum der Klasse "G" und "E" sind von der Verpflichtung zur Abgabe eines Flugplanes befreit.
Also kein Flugplan verpflichtend für Flüge nach Österreich (LOVV), unter VFR und G oder E. Und eine interessante, zusätzliche neue Erkenntnis: Für Einflüge nach Österreich muss man also aktuell von keinem Nachbarland aus einen Flugplan aufgeben.
Und für Flüge in Nachbarstaaten soll man im jeweiligen AIP des Landes nachschauen:
1.2.5.2.1. Für Ausflüge aus der FIR Wien hat der verantwortliche Pilot sich vor dem Abflug über die das Erfordernis der Flugplanabgabe betreffenden Regelungen des Staates, in dessen Luftraum er einfliegen wird, zu informieren. Und siehe da, in der AIP CZ steht es ganz ähnlich:
1.10.1.1 FPL shall be submitted … for all flights except for:
1.10.1.1.1 Domestic flights and flights within Schengen area, conducted in the airspace of “G” and “E” class, for which no alerting service is required by pilot.
Also auch keine Flugplanaufgabe verpflichtend für VFR-Flüge aus Österreich kommend in den Lufträumen G und E.
Falls jemand doch einen Flugplan aufgeben möchte (schadet ja nie), habe ich ein Beispiel mit Grenzüberflugskoordinaten angefügt.
Übrigens rufe ich vor Abflug gerne bei den Flugplatzbetreuern an, um mich über den aktuellen Pistenzustand zu informieren oder sonstige aktuelle Informationen einzuholen. Die sind auch immer sehr freundlich. Hier die Kontaktmöglichkeiten für LKEXCA:
Ing. Hannes Schiedlbauer: +43 664 788 3979 (DE, ENG, CZ)
Aleš Pykal: +420 724 724 167; +420 724 724 143 (CZ, DE)
Sekretariát: +420 515 206 300
E-mail: ales.pykal@excaliburcity.com, h.schiedlbauer@gmail.com
Und alle Flugplatz-Details unter: https://www.lkexca.com/piloteninfo/
Viel Spaß für Eure Aus-Flüge nach Excalibur City,
always keep the blue side up,
Christian
Vielen Dank an die Kollegen Christoph Steinhauer für die Unterstützung mit der Flugplanvorlage, Thomas Zugcic für den Austausch und das Verifizieren mit der AIP CZ und Bruno Balz für die wertvolle initiale Excalibur-Beratung.
Fotos: Christoph Gschier und Christian Graf
Geschrieben von: Christian Graf